„Homeoffice? Da schafft doch keiner was!“ “Habe ich ernsthaft geglaubt“, gesteht mein Gegenüber am Mittwoch, „ich war Kontrollfreak“.

Durch Corona hat er eine schmerzhafte, disruptive Lernerfahrung durchlaufen. Anfangs war er skeptisch: Sein Team war pünktlich am Rechner und länger eingeloggt als nötig. Legt sich noch, dachte er und wartete auf die „selbsterfüllende Prophezeiung“ (s. hier).

Sie kam aber nicht. Sein Team blieb diszipliniert, produktiv und wurde sogar irgendwie kreativ. Zunächst war er überrascht und dann total berührt, wie er gesteht. „Wir hatten so eine gute Zeit, dass wir in jedem Fall beim Mix bleiben“, so das Fazit. Homeoffice wird das neue Normal, ein neuer Ausgangspunkt für noch mehr Veränderung. Das war der Anlass unseres Gespräches.

Wir Menschen neigen dazu, uns am Gewohnten festzuhalten. Ob es gut oder schlecht, richtig oder falsch ist, spielt dabei keine Rolle. Dass wir alle das Gewohnte verlassen müssen, ist inzwischen mehr als deutlich. Nur: Wissen ist nicht handlungsrelevant und Fakten überzeugen nicht. Es braucht einen Trigger. Etwas, das uns berührt. Es kann ein einfacher Satz sein.

„Wir kriegen das schon hin, Chef. Vertrau uns ruhig mal.“ Ein Satz und eine Emotion, die es ohne Corona nie gegeben hätte. „Das hat mich irgendwie berührt, muss ich schon sagen.“ Es wurde fortan zum Standardsatz und irgendwann hat er sich erwischt, dass er „ihr kriegt das schon hin, ich vertraue euch“ gesagt hat. Ganz neue Töne für einen (ehemaligen) Kontrollfreak.

Nicht Agile Methoden, nicht Hierarchieabbau, nicht Selbstorganisation sind die Erfolgsfaktoren. Das Entscheidende liegt darin, tief im Inneren etwas auszulösen. Ein gutes Gefühl. Es kann ein schlichter Satz sein, direkt vom Herzen auf die Zunge, der sich einen Weg bahnt und Wirkung entfaltet. Das liegt daran, dass unsere Emotionen Einfluss auf unsere Ratio haben – nicht umgekehrt. Fakten überzeugen nicht.

Das kannst-uns-vetrauen-Chef-Gefühl war ein Saatkorn, das zu zarten Pflänzchen wurde: Zuversicht, Optimismus und Gemeinsinn. Und genau daraus machen wir jetzt noch mehr. Wie gut ist das denn?

Dieser eine, einfach Satz hat den Leitwert Vertrauen berührt. Diese Wort „Vertrauen“ hat man fortan nicht mehr aus den Augen verloren, weil es Teil der Kommunikation wurde. Dadurch bekam Vertrauen eine neue Bedeutung und schließlich für alle einen neuen Bezug. Ein ganz unbewusster Wertewandel.

Allerdings nur, weil der Chef den Ball aufgenommen und über den Satz nachgedacht hat!

New Leadership kommt leise, unverhofft  – und hat dennoch große Wirkung.